Die Unabhängigkeit von Zeit und Raum

Die „Überall-Verfügbarkeit“ des Webs gepaart mit der zunehmenden Mobilität eröffnen neue Kommunikationsmöglichkeiten. Im Mittelpunkt steht der immer relevanter und spannender werdende „Touchpoint Draußen“.
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MENSCH IM RAUM
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01.04.2014

Die Unabhängigkeit von Zeit und Raum

Die „Überall-Verfügbarkeit“ des Webs gepaart mit der zunehmenden Mobilität eröffnen neue Kommunikationsmöglichkeiten. Im Mittelpunkt steht der immer relevanter und spannender werdende „Touchpoint Draußen“.

Eigentlich genügt schon ein Blick auf Deutschlands Straßen: Die Bundesbürger sind mobiler denn je. Sie gehen oder fahren zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen oder zum Sport, sie fahren in den Urlaub, treffen sich mit Freunden, gehen ins Kino oder zum Essen – fast jeder hat täglich mindestens einen Grund, seine vier Wände zu verlassen und draußen unterwegs zu sein. 3,5 Wege am Tag legt der Mensch im Schnitt zurück, wobei diese Erkenntnis laut Robert Follmer schon fast als „anthropologische Konstante“ zu sehen ist: „Dieser Wert ist überall auf der Welt in etwa gleich“, erklärt der Bereichsleiter Markt- und Verkehrsforschung am infas Institut für angewandte Sozialwissenschaften. „Nur die dabei zurückgelegten Entfernungen unterscheiden sich.“ So werden in Industrieländern, wo der Motorisierungsgrad in der Regel höher ist, täglich im Schnitt weitere Strecken bewältigt als in weniger entwickelten Regionen der Erde. Die Anzahl der Wege ist aber hier wie dort in etwa dieselbe.

Die Mobilität, die Bewegung, das Unterwegssein liegt also in der Natur des Menschen, sie wurde ihm sozusagen schon in die Wiege gelegt. „Sobald der Mensch unterwegs ist, entsteht etwas dabei, neue Erfahrungen werden gemacht und, was noch wichtiger ist, es kommt zum sozialen Austausch“, fährt Follmer fort. Mobilität ist also ein Grundbedürfnis der Menschheit, und nicht selten wird sie auch mit Freiheit, Fortschritt und Selbstverwirklichung gleichgesetzt.

Wie selbstverständlich der Faktor Mobilität zum Alltag dazugehört, spiegeln auch die Ergebnisse aus der Studie „Mobilität in Deutschland“ wider, die infas im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung durchgeführt hat: Demnach verlassen 90 Prozent aller Deutschen täglich ihre vier Wände, wobei jeder im Schnitt 84 Minuten außer Haus ist und dabei rund 40 Kilometer zurücklegt. Zwar stammen diese Zahlen aus dem Jahr 2008 (die Ergebnisse der nächsten Erhebung werden wohl erst 2017 vorliegen). Mit einem Rückgang der Mobilität ist aber eher nicht zu rechnen, betont Follmer, sondern vielmehr mit einem „moderaten Anstieg“.

Es ist sogar denkbar, dass die Häufigkeit und auch die Dauer des Unterwegssein sich nochmal erhöhen. Denn auch die fortschreitende Digitalisierung des Alltags spielt dem Grundbedürfnis nach Mobilität in die Hände. Denn dank des mobilen Internets und den internetfähigen Devices wie Tablets, Smartphones und bald wohl auch digitale Brillen wie Google Glass kann nun alles, was zuvor nur Zuhause oder im Büro möglich war, auch überall draußen erledigt werden. Den Arbeitsplatz mal eben in den Park verlegen, weil das Wetter so schön ist? Im Urlaub mit den Freunden zuhause chatten? Im Zug die letzten Rechnungen per Online-Banking begleichen? Alles kein Problem. Das Outernet ist schon längst Realität geworden. Oder, wie es Trendforscher Sven Tollmien von TrendOne es ausdrückt: „Das Web ist nicht mehr irgendwo gefangen, sondern springt nach draußen auf die Straße und ist überall verfügbar.“

 

 

Die Trennung zwischen Text- und Bewegtbildanbieter ist so nicht mehr existent


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Diese „Überall-Verfügbarkeit“ des Webs gepaart mit der zunehmenden Mobilität hat natürlich auch Auswirkungen auf die Mediennutzung. Denn der früher eher statische Medienkonsum– mit Ausnahme der Zeitung war man dabei ja an Zeit und Ort gebunden – geht mit der durch die Mobilität gewonnenen Freiheit schon lange nicht mehr konform. Heute müssen auch die hier gebotenen Inhalte nicht nur jederzeit, sondern am besten auch noch überall verfügbar sein. Die Folge davon ist, dass die zuvor strikte Trennung zwischen den verschiedenen Gattungen immer mehr verschwimmt: Nicht nur, dass klassische Medien wie Print, Fernsehen und Radio sich auch im Web präsentieren. Auch die Trennung zwischen Text- und Bewegtbildanbieter ist so nicht mehr existent, da auf der einen Seite TV seine Beträge im Web mit Textelementen anreichert und auf der anderen Seite Zeitungen auch immer mehr Videoformate aussenden.

Einzige Konstante ist hier die Außenwerbung als Medium, das zwar nicht aktiv konsumiert wird, aber ebenso wenig aktiv weggezappt oder weggeklickt werden kann. Denn Plakat und Co. sind einfach da und begleiten den Menschen in seiner zunehmenden Mobilität durch den Tag. Was aber nicht heißt, dass das älteste Medium von der Digitalisierung ausgeschlossen ist, im Gegenteil: So präsentiert es sich jetzt schon an wesentlichen Touchpoints und Knotenpunkten in Form von Public Video. Darüber hinaus machen schon heute Bluetooth, QR-Codes und NFC das Plakat interaktiv, sodass Kampagnen problemlos auf die mobilen Endgeräte verlängert werden können. Hier ist also für die Kommunikation ein neuer Rückkanal geschaffen worden, der eine völlig neue Dimension im Dialog mit den Konsumenten erlaubt. Schnell, zu jederzeit – und dort, wo diese sich aufhalten: Draußen, auf der Straße.

 

40km

legen 90% aller Deutschen durchschnittlich pro Tag zurück.


 

46,7%

der Mobiltelefonbesitzer gehen mit Ihrem Handy online.

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Letzte Aktualisierung
13.09.2016