Der urbane Raum als Ressource für Innovationen

Ein Gastkommentar von Alois Krtil – verantwortlich für den Aufbau und die Entwicklung der Innovation Kontakt Stelle (IKS) Hamburg, einem PPP der Handelskammer Hamburg und der Stadt Hamburg.

Zukunftsforscher gehen davon aus, dass im Jahre 2030 mehr als 60 Prozent der Weltbevölkerung in Städten bzw. urbanen Gebieten leben wird. Sogenannte Mega-Cities, wie wir sie heute bereits aus Asien oder Südamerika kennen, wachsen rasant und werden, nicht zuletzt aufgrund ihrer hohen Produktivität, stark an Bedeutung gewinnen.

Urbanisierung und Wohlstand stehen dabei in einem engen Zusammenhang: In Ländern, in denen der Großteil der Bevölkerung in Städten lebt, ist das Pro-Kopf-Einkommen fast viermal so hoch wie in ländlich geprägten Staaten. Gleichzeitig werden durch den Klimawandel verursachte Naturkatastrophen die Megastädte häufiger und heftiger treffen. Laut der Foresight Initiative FutureAgenda sind beispielsweise 22 der 50 reichsten Städte weltweit von Überschwemmungen bedroht. In den zehn am stärksten gefährdeten Städten weltweit leben insgesamt mehr als 150 Millionen Einwohner.

Wenn sich immer mehr Menschen, Fahrzeuge und Waren den urbanen Raum teilen, nimmt die Interaktionsdichte in den Ballungszentren enorm zu. Je mehr Funktionen auf wenig Raum erfüllt werden müssen, desto komplexer ist das soziotechnische System Stadt. Das damit in Verbindung stehende extrem hohe Verkehrsaufkommen und die Instabilität der Energienetze u.a. aufgrund von Energiebedarfsspitzen sind nur einige Symptome, die sich bereits seit Jahren verschärfen. Doch trotz steigender Grundstückspreise, höherer Arbeits- und Lebenshaltungskosten sowie steigender Umweltbelastungen üben Städte weltweit einen enormen Sog auf Menschen aus und fungieren schon über Jahrhunderte hinweg als Innovationstreiber.

Da wo Probleme entstehen, müssen sie auch gelöst werden: Bedarfe erzeugen Angebote.

Eine Stadt wird nur dann überleben, wenn sie es schafft, sich den drastisch verschärften Herausforderungen zu stellen und Lösungen für vielseitige und stark diversifizierte Bedarfe zu finden. Die Voraussetzungen sind nirgends besser als in großen Städten: Die Konzentration von Talenten und Know-how, die Dichte an Informationen und Infrastruktur sind extrem hoch, die Wege extrem kurz. Insbesondere Ballungszentren in aufstrebenden Staaten bilden Brücken zwischen internationalen Märkten und Kulturen. Sie werden zu Ideenschmieden für High-Tech-Produkte, zu Keimzellen und Ökosystemen der Digitalisierung. Sie sind also der ideale Nährboden für Neuerungen und Innovationen!

In Bereichen wie Gesundheits- und Nahrungsmittelversorgung, Sicherheit, Dienstleistungen, Produktion und Kommunikation sind bereits einschneidende Entwicklungen zu beobachten, die sich speziell in urbanen Räumen noch stärker manifestieren werden. Gerade diese Ballungszentren werden in den kommenden Jahren durch disruptive Entwicklungen geprägt. Die Verbindung der digitalen und realen Ebene im Raum wird zu neuen kontextbezogenen, ortsbasierten und damit „smarten bzw. intelligenten“ Dienstleistungen führen. Themen wie das Internet der Dinge und Dienste, sensorbasierte Erweiterungen der Infrastrukturen sowie künstliche Intelligenz und Predictive Analytics werden die wichtigsten Innovationstreiber sein und schnelle (Weiter-)Entwicklungen ermöglichen. Die „smarte“ Stadt bietet Voraussetzungen und Rahmenbedingungen, um zu einer Enabling-Plattform zu werden, in der dynamisch Bedarfe entstehen und durch Wissens- und Technologieentwicklungen in Form von smarten Dienstleistungen und Produkten befriedigt werden können.

Alois Krtil
hat Wirtschaftsinformatik an der Universität Münster und Wirtschaftsingenieurwesen an der Universität Dortmund studiert. Danach arbeitete er als Berater in der Automobil- und Luftfahrt Branche für KMU und Großunternehmen. Seit 2011 ist er für den Aufbau und die Entwicklung der Innovation Kontakt Stelle (IKS) Hamburg verantwortlich, einem PPP der Handelskammer Hamburg und der Stadt Hamburg.