Anwendungsbeispiele Smart City

Die Digitalisierung mit all ihren, teilweise disruptiven, Innovationen beeinflusst nicht nur die Wirtschaft sowie den Privat- und Arbeitsalltag der Menschen – das Thema hat längst auch schon die Städte und Kommunen erreicht.

Von der Regelung des Verkehrs über den schonenden Umgang mit Ressourcen bis hin zur Kommunikation mit der Stadtverwaltung, smarte Services können auch hier helfen, Probleme zu bewältigen, Kosten zu sparen und am Ende auch die Lebensqualität der Bürger zu erhöhen (siehe auch Schwerpunkt „Megatrend Urbanisierung“). Immer mehr Städte in Deutschland haben die Chancen der Digitalisierung für sich erkannt und den Weg in Richtung „Smart City“ eingeschlagen. Folgende Projekte sollen exemplarisch vorstellen, was im Rahmen einer „intelligenten Stadt“ schon möglich beziehungsweise am Entstehen ist.

ParkHere

Per App einfach und stressfrei zum nächsten freien Parkplatz – das ermöglicht ParkHere. Mit sensorgestützten Echtzeit-Daten erleichtert das System des gleichnamigen Münchner Start-Ups nämlich die Parkplatzsuche. Dabei werden ultradünne, energieautarke Bodensensoren in die Parkflächen oder an den Straßenzu- und -abfahrten eingelassen. Die Sensoren erkennen in Echtzeit freie Parkplätze und senden diese Informationen an eine zentrale Datenbank, von wo aus sie über Navigations-Apps und Websites schließlich den Bürgern zur Verfügung gestellt werden können. Laut ParkHere sorgt die Sensorik für 42 Prozent weniger Verkehrsaufkommen durch parkplatzsuchende Autofahrer und somit für deutlich weniger Umweltbelastung, für eine Umsatzsteigerung von 25 Prozent je Parkplatz und für 80 Prozent weniger Parkverstöße. Das System wurde in Deutschland beispielsweise schon in Hamburg, Berlin, Düren und Ingolstadt eingeführt. 

SM!GHT

Die Straßenlaterne SM!GHT des baden-württembergischen Energieversorgers EnBW leuchtet nicht nur die Straßen aus, sondern kann auch noch modular mit verschiedenen anderen Funktionen ausgestattet werden: So kann SM!GHT auch noch als Ladestation für E-Fahrzeuge, WLAN-Hotspot und Notrufsäule dienen. Umweltsensoren liefern verschiedene Messdaten, die die Grundlage zur Verbesserung der Ökobilanz darstellen, außerdem kann SM!GHT durch die Integration datenschutzkonformer Kameras zur Parkraum- und Verkehrsüberwachung genutzt werden. Die smarte Straßenlaterne ist bereits in mehreren deutschen Gemeinden im Einsatz, unter anderem in Karlsruhe, Kirchheim/Teck, Rheinhausen, Schönau und Ellwangen. Mittlerweile hat es SM!GHT sogar schon bis nach Australien geschafft, wo Ende Juni in der Stadt Caloundra die ersten beiden intelligenten Masten in Betrieb genommen wurden.

Einige deutsche Städte haben außerdem verschiedene Projekte in Bezug auf eine bessere Verkehrsplanung und -steuerung am Laufen. So will beispielsweise Darmstadt gemeinsam mit [ui!] the urban institute aus Chemnitz ihren Bürgern Verkehrsinformationen in Echtzeit liefern. Dazu werden zunächst einmal verschiedenste Verkehrsdaten – wie etwa die Anzahl der Fahrzeuge, die eine Kreuzung passieren – über an Ampelanlagen angebrachten Sensoren gesammelt und aufbereitet. Die Allgemeinheit kann diese Informationen über die [ui!] TRAFFIC Mobile App nutzen und erhält dabei ein aktuelles Lagebild über den Verkehr in der Stadt. Da die erfassten und gespeicherten Daten von Verkehrsdetektoren stammen, die keine Rückschlüsse auf Personen ermöglichen, werden bei dem Projekt keine personenbezogenen Daten gespeichert. Künftig will Darmstadt versuchen, aus den generierten Daten Zusammenhänge zu erkennen und diese als Grundlage für Simulationen und Vorhersagen zu verwenden. Außerdem soll die Webapp mit weiteren Mehrwerten wie einer Routenplanung und aktuellen, verkehrsrelevanten Daten (Parkplatzsuche) oder Umweltdaten von intelligenten Straßenlaternen ausgestattet und in eine vorhandene Darmstadt-App integriert werden. 

Auch in Kassel steht das Thema intelligente Verkehrssteuerung auf der Agenda: In der hessischen Stadt sollen ab 2018 Ampeln und Autos miteinander kommunizieren, sodass die Fahrzeuglenker über eine entsprechende App erfahren, ob sie es noch in der aktuellen Grünphase über die Ampel schaffen oder nicht. In der App ist dann beispielsweise ein grüner Bereich zu sehen: Solange sich das Fahrzeug darin befindet, wird die Grünphase an der Ampel erreicht. Mithilfe dieses Fahrassistenz-Systems soll es den Autofahrern möglich sein, sich insgesamt besser an den Verkehrsfluss anzupassen, also ohne unnötig zu bremsen oder zu beschleunigen. Die Daten sollen aber auch dazu verwendet werden, die Grünphasen insgesamt, also auch unter Einbeziehung des öffentlichen Nahverkehrs, effizienter zu nutzen. Dadurch würden der Spritverbrauch bei den Autos gesenkt und die Schadstoffemissionen reduziert werden. 

Die bayerische Metropole München beteiligt sich am EU-Smart Cities-Projekt „Smarter Together“ und entwickelt dabei die „Stadt von morgen“. Modellregionen sind die Stadtteile Neuaubing-Westkreuz sowie das Neubaugebiet Freiham. Los ging es am 2. Juni mit der Eröffnung des ersten Stadtteillabors, in dem die Bürger des Stadtteils gemeinsam mit Experten und Partnern aus Industrie und Forschung „konkrete Lösungen für die Herausforderungen des urbanen Lebens entwickeln sollen“, so die offizielle Pressemitteilung. Mit zum Konzept, das bis 2018 umgesetzt werden soll, gehören unter anderem die Implementierung smarter Dienstleistungen (mit bspw. Rund-um-die-Uhr-Lieferservice, Verteilstationen), smarter Mobilität (Mobiltitässtationen mit e-Bikes, Carsharing), smarte energie- und Sanierungsallianz (Integration von Smart Home, Nutzung regenerativer Fernwärme, energetische Sanierung von Gebäuden), smarte Reallabore (Laternenmasten mit intelligenter Sensorik und Technologie) und eine smarte Quartiers-App (mobiler Zugang zu allen Angeboten im Viertel).