Daten sind ja Gold, das ist wie eine Währung

Beat Schwegler, Director Cloud Evangelism bei Microsoft.

Warum ist die Diskussion um Smart Services so groß geworden?

Durch Big Data haben wir nun die Möglichkeit, wirkliche Clusters zu definieren, wie etwa von Quartieren oder nach demografischen Aspekten. Diese Cluster können wir zusätzlich mit weiteren Informationen in Beziehung bringen und dann eventuell sogar noch „Machine Learning“ und „predictive Analytics“, also Vorhersagen, mit einbauen. Denn das macht für mich einen Service erst wirklich smart: Dass es mir nicht zwingend nur sagt, wie die Vergangenheit war, sondern mir in meinem Kontext auch sagen kann, wie eventuell die Zukunft sein wird.

Wann könnte so eine „Vorhersage“ beispielsweise nützlich sein?

Ein gutes Beispiel sind Verkehrsdienstservices, die einen direkt umleiten, um auf einer anderen Route dem Stau zu entgehen. Das ist eine Dienstleistung, die beispielsweise ein Mobilfunkanbieter anbieten könnte, weil grundsätzlich anhand von Mobildaten aggregierte Bewegungen zu einer Tageszeit erfasst werden können. Anhand dieser Daten weiß man, wo die Leute unterwegs sind, und basierend auf diesem Wissen könnten Trends errechnet werden, wo sich ein Stau bilden wird. 

Und wie wird so ein Dienst im persönlichen Kontext interessant?

Zum Beispiel durch einen persönlichen Assistenten wie „Cortana“ oder „Google Now“, hier wird der Service über einen Service bedient. Wenn ich Cortana sage, ich muss von A nach B, dann weiß Cortana, dass ich normalerweise immer über die Brücke fahre, weil das meine persönliche Präferenz ist. Das wird dann intern mit der aktuellen Verkehrssituation hochgerechnet und in die Routenplanung mit eingebracht. 

All diese Daten und Informationen müssen ja aus vielen verschiedenen Ecken kommen. Wie führt man sie sinnvoll zusammen?

Das ist genau eines der Themen, die wir mit Ströer im Moment diskutieren: Wir haben so viele Sensordaten, aber wenn die Sensordaten nur in Silos verfügbar sind und man sie den Leute nicht zur Verfügung stellt, dann können solche Services ja gar nicht entstehen. Voraussetzung ist also, es muss ein Ökosystem entstehen von Leuten, die anonymisierte, aggregierte Daten zur Entwicklung von smarten Services zur Verfügung stellen, und Leuten, die mit diesen Informationen zusätzliche Dienstleistungen kreieren. 

Wie könnte so ein Ökosystem aussehen?

Das kann zum Beispiel eine Stadt sein, die über Sensoren Daten einsammelt und zusätzlich für alle Benutzer ein Dashboard darstellt, das beispielsweise aufzeigt, wo im Moment am meisten Stau ist oder wo es am schlechtesten ist, einkaufen zu gehen. Oder es kann ein Mashup entstehen, indem ein Service aus unterschiedlichsten Datenquellen Informationen sammelt, diese korreliert, vielleicht wirklich noch Machine Learning darauf betreibt und so ein ganz neues Serviceerlebnis den Kunden oder Konsumenten zur Verfügung stellt. Daten sind ja Gold, das ist ja wie eine Währung. Viele haben das Gefühl, diese Daten für sich sammeln zu müssen. Aber Sinn einer Währung ist ja eigentlich, dass man tauscht.

Ein Aspekt, der dabei nicht außer Acht gelassen werden darf, ist das Thema Sicherheit, Datenschutz. Nicht wenige haben Angst, dass mit den Daten auch Missbrauch betrieben wird …

Die Gefahr besteht natürlich immer. Aber man kann sie sehr stark eindämmen. Das Wichtigste ist immer, dass man Daten nicht nur anonymisiert, sondern eben auch aggregiert, sie also bündelt. Machine Learning, Predictive Analytics, all das basiert an und für sich auf Statistik. Das kann man basierend auf aggregierten und anonymisierten Daten betreiben. Die eigentliche Vorhersage ist dann die Ebene, wo es persönlich wird. Um am Beispiel von Cortana zu bleiben: Dieser persönliche Assistent kann nur dann über mich und meine Vorlieben lernen, wenn ich ihm Zugang zu meinem Kalender oder zu meinen Emails gebe. Das ist natürlich dann eine individuelle Frage eines jeden Nutzers, ob er einen solchen Service treibt oder nicht. Der vorherige Datenaustausch, dieses Ökosystem, das muss auf einer anonymen, aggregierten Ebene stattfinden. 

Wie weit ist man Deutschland in Bezug auf Smart Services?

Da ist ganz viel am Entstehen im Moment. Wichtig ist: So richtig smart wird ein Service nur, wenn der Kunde im Mittelpunkt steht und es ein Ökosystem gibt. Aber alle möchten natürlich immer alles besitzen, alle Daten für sich sammeln. Aber nur wenn man das Thema holistisch betrachtet, kann man gute Schlussfolgerungen daraus schließen. Dabei darf aber auch nicht unterschätzt werden: Es ist nicht so einfach, so große Datenmengen zu bearbeiten. Bislang gibt es nicht so viele Leute, die damit wirklich Erfahrung haben. 

Über Beat Schwegler
Beat Schwegler arbeitet seit 14 Jahren bei Microsoft. Unabhängig von seiner Schweizer Homebase ist er als „Director Cloud Evangelism“ für Microsoft in der virtuellen Welt des Internets zuhause. Gleichzeitig reist er in viele Länder, um Menschen dabei zu inspirieren, wie sie die digitalen Techniken in kreativer Weise nutzen können. Persönlich ist es ihm wichtig, so oft wie möglich in der Natur zu sein. Aus diesem konstruktiven Spannungsverhältnis gewinnt der Programmierer und Technik-Experte die seltene Fähigkeit, andere dazu zu bringen, „Out of the Box“ zu denken und mit ihm zusammen neue Wege zu finden.