10.03.2014

"Die personalisierte Interaktion mit Marken wird wichtiger"

Zweiter Teil des Interviews mit Trend- und Zukunftsforscher Max Celko.

 

 

Wie ändert sich die Rolle von Marken in diesem Zusammenhang?

Ziel für Marken muss es in Zukunft sein, auf den mobilen Geräten der Kunden präsent zu sein und so zu einem Begleiter in deren Alltag zu werden. Um für die Kunden relevant zu bleiben, sollten Marken mobilbasierte Mehrwerte bieten, die eine emotionale Bindung zu den Kunden herstellen. Zentrale Mehrwerte sind dabei Discovery, Selbstverwirklichung, beruflicher Erfolg, Health & Wellness, Unterhaltung, Einbindung in eine Community sowie Assistenz-Dienstleitungen, die den Alltag einfacher machen. Konkret kann dies etwa bedeuten, dass Marken ihren Kunden helfen, neue Fähigkeiten zu lernen, ihre Gesundheit zu verbessern oder Gutes für die Gemeinschaft zu tun. Marken funktionieren dadurch als Plattformen, die Kunden ermöglichen, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen und ihre Geschichten, Ambitionen und Erfolge zu teilen.

Der Ansatz von Marken als soziale Plattformen beinhaltet auch Co-Creation von Produkten. Marken können so die Kunden an der Produktentwicklung beteiligen und ihre Angebote noch besser auf die spezifischen Wünsche und Bedürfnisse der Kunden ausrichten. Co-Creation wird zukünftig stark an Bedeutung gewinnen.

Denkbar ist auch, dass Marken in Zukunft Künstliche-Intelligenz-Systeme nutzen werden, um auf eine personalisierte Art und Weise mit Kunden zu interagieren und die Marke „zum Leben zu erwecken“.

Welche neuen Geschäftsfelder können Sie sich in diesem Zusammenhang vorstellen?

Digitale Brillen haben Potential für eine Vielzahl von neuen Geschäftsfeldern – von Handel über Gaming über Social Networking bis zu Gesundheitsdienstleistungen.

Denkbar sind auch neue Arten von Social Networks, die auf Vision Sharing beruhen – d.h. dem Teilen des eigenen Blickwinkels in Echtzeit. Auch Augmented Reality bietet sich für Social Networking an: So wie man heute Inhalte auf Online-Plattformen wie Tumblr postet, könnte man in Zukunft virtuelle Objekte an spezifischen Orten in der Umwelt platzieren und so mit anderen teilen.

Nach diesem Prinzip ist es möglich, die Wahrnehmung der Umwelt zu personalisieren, und Communities können so ihre eigenen „Parallelwelten“ erschaffen.

Vorstellbar ist, dass es in Zukunft einen neuen Markt für virtuelle Objekte basierend auf Augmented Reality geben wird – beispielsweise virtuelle Accessoires, die am Körper getragen werden. Parallel dazu wird dann auch das Berufsfeld des Augmented Reality-Designers an Bedeutung gewinnen.

Die Weiterentwicklung von Künstliche-Intelligenz-Systemen eröffnet ebenfalls neue Geschäftsfelder. Denkbar sind virtuelle Assistenten, die als Gesundheitsberater, „Psychotherapeut“ oder Life Coach dienen. Diese könnten den Nutzern helfen, einen gesünderen Lebensstil zu führen, Ängste zu überwinden, persönliche Ziele zu erreichen und sich selbst zu verwirklichen. Die Kombination von mobilen Geräten und Health & Wellness bietet allgemein viel Potential.

Des Weiteren ist auch mit einer steigenden Nachfrage nach Systemen für Datensicherheit und Verschlüsselung zu rechnen.

Datensicherheit ist ein gutes Stichwort. Welchen Einfluss hat die Entwicklung auf uns Menschen, die Gesellschaft und die Privatsphäre?

Ein zentrales Thema ist sicherlich Privacy. Die Frage ist, inwieweit Hardware- und Software-Hersteller in der Lage sind, Nutzerdaten effektiv vor Zugriffen Dritter zu schützen. In diesem Zusammenhang wird sich auch zeigen, wie viel persönliche Daten die Leute bereit sind freiwillig von sich preiszugeben, um dafür beispielsweise personalisierte Dienstleistungen oder Rabatte zu erhalten. Die Antwort auf letztere Frage ist sicher je nach Generation und Kulturkreis unterschiedlich.

Kontrovers diskutiert wird zurzeit die Integration von Gesichtserkennungssystemen in digitale Brillen. Wenn sich solche Systeme im Massenmarkt durchsetzen, muss man in der Öffentlichkeit theoretisch immer damit rechnen, von Passanten identifiziert zu werden.

Im Kontext von Social Networking geht die Entwicklung zu kleineren, intimeren Nischen-Netzwerken sowie zur bildbasierten Kommunikation über Fotos oder Videos. Ortsbasierte Technologien bieten zusätzlich neue Möglichkeiten für die Vernetzung mit Personen in der geographischen Nähe.

Als Reaktion auf die immer komplexer, unbeständiger und fragmentierter werdende Gesellschaft und Wirtschaft gewinnen Nischen-Communities an Bedeutung, da diese ein Gefühl von Einbindung und Zugehörigkeit ermöglichen. Für dieses Gemeinschaftsgefühl spielt Design und Ästhetik eine wichtige Rolle.

Max Celko
ist Trendforscher, Innovationsberater und Autor in New York City und Berlin. Er beobachtet neue Trends in Medien, Technologie und Gesellschaft und berät Firmen mit dem Ziel, Trends in Innovationen und Markenstrategien umzusetzen. Er arbeitet international mit Trend-Consulting-Agenturen in Europa und den USA zusammen und berät Unternehmen aus Telekommunikation, Medien, Unterhaltungselektronik und Mobility. Als Produzent und Regisseur realisiert Celko Consumer-Insights-Ethnografien sowie Fernsehdokumentationen zu
Gesellschaftstrends.

(Bildquelle: press.lexus.be)