04.11.2014

Alltag-Erleben: Zur Psychologie des Parkens

Eine öffentliche Bewährungsprobe.

Das Parken ist doch eine ziemlich einfache und klare Angelegenheit?! Das eigene Auto hat eine bestimmte Abmessung und braucht mindestens genau so viel Platz um irgendwo abgestellt zu werden. Es gehört zu jeder Autofahrt zwingend dazu. 

Wie wir das genau anstellen, wurde uns in der Fahrschule beigebracht - Der Führerschein und die Tatsache, dass wir mit dem Auto fahren, ist Zeugnis davon, dass wir die Suche und auch das Einparken an sich beherrschen. 

Es gibt im Grunde nur EIN Ideal, wie das Auto am Ende zu stehen hat. Gleichzeitig werden “kreative” Einparklösungen im Internet und in der Presse regelmäßig gefeiert, wie z.B. als ein Lehramtstudent aus Siegen seinen Golf mit nur wenigen Zentimeter Platz zwischen zwei Autos parkte und über das Heckdach ausstieg. (Zum ganzen Bericht auf Spiegel.de)

Für viele bedeutet das Parken allerdings in erster Linie Stress. Was macht das Parken für uns so brisant? 

“Die Parkplatzsuche… allein bei dem Gedanken an meine letzte Suchaktion in einer größeren Stadt sträuben sich mir sämtliche Nackenhaare.” (Aus einem Erlebensbericht)

Parken als öffentliche Bewährungsprobe

An der Parksituation an sich, können wir als Suchende nicht ändern, der Rahmen ist also fest vorgegeben. Ob wir einen Parkplatz finden, liegt vor allem an den eigenen (A)rangierungskünsten. Finden MÜSSEN wir jedoch einen.

Am Liebsten würden wir so viel Zeit und Ruhe wie möglich zum Einparken haben. Die Tatsache, dass der normale Verkehr rundherum weiterläuft und andere Personen ebenfalls suchen, macht die Parkplatzsuche zu einer Art öffentlichen Bewährungsprobe. Wenn wir gut eingeparkt haben, ist der Parkplatzsuchvorgang für uns beendet, der teilweise schon Stunden früher am heimischen Rechner anfängt. Wenn wir jedoch schlecht geparkt haben, werden wir von anderen Autofahrern oder der Polizei “zurecht gewiesen”, wir fühlen uns dann bloßgestellt - Das Parken Thema begleitet uns dann also auch noch nach der eigentlichen Suche. 

“Ich hasse es, wenn mir andere Personen beim verzweifelten Rangieren des Autos zusehen” (Aus einem Erlebensbericht)

Die Brisanz dieser Bewährungsprobe wird auch an dem Phänomen deutlich, dass wir es selber als sehr unangenehm empfinden von anderen Autofahrern zurecht gewiesen zu werden, auf der anderen Seite aber super gerne über die Unfähigkeiten beim Einparken der anderen Autofahrer schimpfen. Wir sind echt froh darüber, wenn jemand anders offensichtlich schlechter einparken kann als wir, weshalb wahrscheinlich auch das Thema, ob Frauen oder Männer besser einparken immer und immer wieder untersucht wird und von den Medien rezipiert wird. (Frauen parken schneller ein als Männer?)   

Zwischen der Konzentration aufs Eigene und der Einreihung unter anderen  

Wir versuchen beim Parken so nah an dem Zielort zu parken, wie es nur geht, dabei nehmen wir oft auch in Kauf, dass wir uns entweder in verkehrsrechtlichen Grauzonen befinden oder dem Parknachbar den Platz zum Aussteigen oder Parken nehmen. Wir konzentrieren uns dann so stark auf unser eigenes Ding mit der Konsequenz, dass wir ggf. abgeschleppt werden. 

Die Parkplatzsuche funktioniert nie ohne, dass man sich den gegebenen Umständen fügt und sich zwischen die anderen einreiht. Diese Gradwanderung zeigt sich auch beim Einparken an sich: Wir müssen uns auf der einen Seite auf das Rangieren an sich konzentrieren und sind dabei oftmals gar nicht mehr ansprechbar, auf der anderen Seite müssen wir ständig die Position der anderen Autos checken und auf den Verkehr achten. 

Je stärker wir auf die Anderen achten, desto eher verfallen wir in Panik und meinen, die eigentlich oft sehr simple Aufgabe des Parkens nicht mehr bewältigen zu können. Dagegen führt die Zentrierung auf den schnellen, eigenen Parkplatz nicht selten zu eben sehr kreativen Lösungen.

Dieser Artikel ist ein Beitrag von David Glaser und Frederic Gogoll und entstand im Rahmen der Kooperation zwischen der Business School Potsdam und der Ströer Media AG. Weitere interessante Einblicke in die Schnittmengen von Psychologie und Alltag erhalten Sie auf dem Blog alltag-erleben.de

(Quelle: alltag-erleben.de, 02.11.2014, Foto: Extranoise | Flickr | CC BY 2.0)