30.12.2014

Alltag-Erleben: Schenken und beschenkt werden

Von impliziten Forderungen und dem gegenseitigen Abschätzen.

Geschenke sind absolut selbstlos, wir hegen nie Erwartungen, etwas dafür zurück zu bekommen. Ein Geschenk braucht keine Gegenleistung. 

Fragen Sie sich: Wenn Sie ein Geschenk kriegen und nie etwas zurück geben, was passiert dann mit Ihnen? 

Sie fühlen sich sehr wahrscheinlich schuldig, weil Sie Schulden bei der Person haben. Das Interessante ist: Die Schulden haben Sie nicht bei der Person “gemacht”, Sie mussten sie mit dem Geschenk annehmen. Das ist eine unausgesprochene Regel beim Schenken.  

“Dennoch musste ich oft in meinem kurzen Leben schmerzhaft feststellen, dass nichts umsonst ist auf dieser Welt. Und gerade Geschenke oft vergiftete Bonbons sein können, wenn man sie zu naiv annimmt.” (Aus einem Erlebensbericht)

Als Schenker tritt man in eine Vorleistung, als Beschenkter in eine Schuld. 

Damit können Geschenke unsere Beziehungen verändern, indem Sie Schenker und Beschenkten in ein noch offenes Tauschverhältnis stellen. 

Diese Gesetzmäßigkeit vom Geben und Nehmen findet sich z.B. auch schon in Opfergaben. Wenn wir etwas unseren Göttern opfern, unsere Psalme beten oder uns Mühe geben, besonders artig zu sein, erwarten wir auch dafür etwas zu bekommen.  

Das Geschenk als Symbol für die persönliche Beziehung und deren Wert

Schenken hat viel mit “Wert-schätzen” zu tun. Bei der Suche nach dem passenden Geschenk geraten wir schnell in den Versuch, die Qualität der Beziehung in dem Geschenk fassen zu wollen. Egal, ob wir viel Zeit oder Geld investieren. 

“Ein Geschenk ist genauso viel wert wie die Liebe, mit der es ausgesucht worden ist.” (Thyde Monnier, französische Schriftstellerin)  

Dabei geht es auch darum, zu wissen, wie die Lebenssituation des zu Beschenkenden aussieht. Wie viel weiß ich eigentlich über den Anderen? 

Vorallem, wenn wir wenig über den anderen wissen, die Beziehung uns aber eigentlich wichtig ist, geraten wir schnell dazu, übertrieben viel Geld für das Geschenk auszugeben, als oft eher kläglicher Versuch das Ganze zu kompensieren und die zwischenmenschliche Beziehung mit dem Geschenk ggf. zu verbessern. Übertrieben teure Geschenke können sogar zur Demütigung für den Beschenkten werden, wenn dieser sie nicht erwidern kann. 

Paradoxerweise scheint es fast so, als würden wir, gerade in dem Versuch die Beziehung auf die Gold Wage zu legen, den verbindenden Aspekt und den Bezug zu der zu beschenkenden Person zu verlieren. In dem Geschenk wird dann der wenig persönliche Bezug zur anderen Person sogar noch manifestiert, weswegen uns Geschenke die Art der Beziehung konkret vor Augen führen. 

Geschenke werden erst dadurch einzigartig, wenn Sie aufzeigen, dass die Personen etwas miteinander verbindet und sei es nur das Wissen darüber, was der andere mag. Gleichzeitig müssen Sie den Wert der Beziehung für beide Seiten realistisch abbilden können. Wenn man sieht, dass sich der andere lange Gedanken über das Geschenk gemacht hat, heißt das auch, dass er in der Zeit gedanklich bei der Person war - Er drückt damit seine “Zuwendung” materiell aus. 

Dieser Artikel ist ein Beitrag von David Glaser und Frederic Gogoll und entstand im Rahmen der Kooperation zwischen der Business School Potsdam und der Ströer Media AG. Weitere interessante Einblicke in die Schnittmengen von Psychologie und Alltag erhalten Sie auf dem Blog alltag-erleben.de

(Quelle: alltag-erleben.de, 30.12.2014, Foto: Neptun bietet der Stadt Venedig Opfergaben (Stadtallegorie) | Giovanni Battista Tiepolo | Public Domain)