28. August 2018

Blockchain als Vorreiter für dezentrale Datenorganisation und Automatisierung

Der digitale Wandel verändert branchenübergreifend die Art und Weise wie Märkte funktionieren.

Der größte Anbieter von Übernachtungsmöglichkeiten – airbnb – hat kein eigenes Zimmer. Der größte Anbieter von Mobilitätsdiensten – uber – besitzt kein eigenes Fahrzeug. Diese Plattformen lösen als dezentrale Mittler etablierte Marktmechanismen immer häufiger ab, da sie den Kontakt zwischen den handelnden Parteien direkt und zumeist auch transparenter herstellen.

Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend auch im B2B-Bereich immer stärker durchsetzen wird. Hier wird stellvertretend die Blockchain als Lösungsmodul genannt. Zentraler Baustein einer Blockchain ist die Distributed-Ledger-Technologie, die eine Art dezentral geführte Transaktionsdatenbank ist. Durch diese Technologie können Prozesse sicher und transparent automatisiert werden.

Viele Unternehmen sammeln bereits erste Erfahrungen mit der Blockchain in Form prototypischer Usecases. Prominente Beispiele sind hier die Sicherung digitaler Identitäten, automatisierte Vertragsabwicklungen (Smart Contracts) oder lückenloses Tracking in der Supply Chain. Eine neue Methode der Projektfinanzierung wird ebenfalls durch die Blockchain ermöglicht. In sogenannten ICOs (Initial Coin Offering) können Firmen beispielsweise Tokens anbieten, um Projekte unreguliert über ein Crowdfunding-Modell zu finanzieren.

Die heutzutage benötigte Geschwindigkeit in Prozessabwicklungen muss ebenso über das dezentrale Netzwerk garantiert werden, wie die Andockung bestehender Systeme. Daher ist unserer Meinung nach und nach heutigem Stand für Unternehmen lediglich die private Blockchain relevant, in der man die Knotenpunkte selbst definiert. Die public Blockchain, die Daten über ein teilweise unbekanntes Netzwerk verteilt, ist für Unternehmen nicht relevant, da hier Geschwindigkeit, Kosten und Zuverlässigkeit schwer kalkulierbar sind. Ebenso kann es bei dieser Lösung zu Problemen mit der Datenschutzgrundverordnung kommen, da Daten in der Ledger unwiderruflich festgeschrieben werden.

Obwohl die Kritiker der Blockchain sagen, dass eine hochmoderne Datenbank die meisten Szenarien effizienter umsetzen kann, glauben wir an ein hohes Zukunftspotential der Distributed Ledger. Ob es die Blockchain Technologie oder eine andere (noch nicht vorhandene) Lösung sein wird, bleibt abzuwarten, jedoch werden Themen wie Dezentralität und Transparenz den Markt vom Endkonsumenten bis hin zum Unternehmen bewegen.

Die Abteilung Corporate Strategy & Innovation hat deshalb in ersten Workshops und Hackathons Usecases identifiziert und mit externen Partnern und interner Ressource umgesetzt. Im nächsten Schritt werden die gewonnen Erkenntnisse genutzt, um Usecases zu vertiefen oder weitere Potentiale für den Konzern zu analysieren.

Ein erstes Fazit: Neben dem Ansatz der dezentralen Datenspeicherung und der damit verbunden Transparenz haben Anwendungen wie Smart Contracts oder Tokenmodelle vielversprechendes Potential, durch ihre Eigenschaften Prozesse nachhaltig mitzugestalten.

Darüber hinaus kann die Blockchain Technologie der Enabler für eine Open Data Struktur 2.0 sein, da beide Ansätze ähnliche Prinzipien – Transparenz, Informationsgleichheit und kontinuierlicher Datenaustausch zwischen den Beteiligten – verfolgen und sich damit gegenseitig stützen.

Die Auswirkungen auf die Mediabranche durch neue Services, die aus der Blockchain entstehen können, bleiben abzuwarten. Bis dahin gilt es, aktuelle Entwicklungen im Blick zu behalten und potenzielle Anwendungsfelder zu eruieren.

Ein Kommentar von Sandra Becker, Matthias Hohn, Jörg Huhn & Carsten Schulte, Corporate Strategy & Innovation.

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