17. Juni 2019

Warum das Mindset die Basis für erfolgreiche Smart City Projekte ist

Smart City ist wahrlich kein neues Konzept, schon seit Jahrzehnten versuchen Metropolen weltweit, intelligenter und für die Bewohner lebenswerter zu werden.

Doch erst mit der schnellen Verarbeitung von großen Datenmengen (Big Data), der Erfassung (IoT, Sensoren) und Analyse von Real-Time Daten, liefern Smart City Konzepte für alle Stakeholder einen spürbaren Mehrwert.

Zu Beginn waren Smart City Konzepte auf eine Optimierung der Verwaltung und Infrastruktur fokussiert. Große Technologiekonzerne wie IBM oder Siemens identifizierten das Potential, die öffentliche Hand und Energieversorger zu digitalisieren. Doch Smart City Konzepte sind weit mehr als nur Digitalisierung der Infrastruktur und müssen Lösungen für die drei wichtigsten Stakeholder bieten: Verwaltung, Wirtschaft und Bürger. Smart City Strategien basieren häufig auf dem Konzept der Responsive City, ein interaktiver, permanenter Austausch von Informationen.

Was macht nun eine City zur Smart City? Real-Time Daten sind die Basis die Smart City Applikationen und Services ermöglichen.

  • Der Verwaltung ermöglichen die Daten eine optimierte Analyse, effizienten Betrieb und realistische Planung.

  • Für Bewohner sind es drei mit Daten optimierte Kernbedürfnisse: Sicherheit, Ökonomie und Ökologie.

  • Für Unternehmen ist es der einfache Zugang zu öffentlichen und halböffentlichen Daten, eine effiziente Verwaltung sowie ein für die Mitarbeiter lebenswertes Umfeld.

Auch wenn Daten im Allgemeinen als die Basis für eine Smart City gesehen werden, zählt doch noch mehr zu einer erfolgreichen Umsetzung. Smart City Konzepte benötigen auch das passende Mindset (Einstellung). Technologie und Daten sind die Werkzeuge für eine Realisierung.

Zwei oft zitierte Smart City Konzepte sind die von Singapore und Dubai. Beides kleinere Länder / Emirate, die über eine klar-definierte Version verfügen: In Singapore ist es der Wunsch nach einer „Tropical City of Excellence“ während in Dubai „Happiness“ im Vordergrund steht. Auf den ersten Blick haben diese Visionen wenig mit Technologie zu tun, sie beschreiben aber ein Mindset, eine Vision oder Klammer, unter den alle Maßnahmen vereint werden können.

Es ist auch kein Zufall, das Smart City Konzepte oft von Stadtstaaten oder kleineren Ländern zuerst realisiert werden. In Singapore ist es der Mangel an Platz, limitierte natürliche Ressourcen wie Wasser oder Platz für Abfalldeponien. Ähnlich in Dubai, wo am Reißbrett in widrigen Verhältnissen der Wüste jeder Meter aufwändig abgerungen werden muss. Das Wüstenklima, z.B. der Wassermangel oder Anforderung an Klimatisierungen, erfordert viel Innovation. Auch fehlt es einfach an Skalierbarkeit.

In der Baltenrepublik Estland - die als Inbegriff des digitalen Staates und Smart City in Europa gilt – sind viele digitale Innovationen aus der Not heraus geboren. So konnte sich der Staat nach der Unabhängigkeit 1991 schlichtweg nicht leisten, die von den Sowjets vernachlässigte Infrastruktur schnell wiederaufzubauen. Ein Großteil der estnischen Bevölkerung zog ins Ausland, um einen Job zu finden. Die Daheimgebliebenen konnten sich die Auslandsgespräche nicht leisten. Somit wurde aus der Not heraus Skype geboren - Not macht erfinderisch.

Kleine und junge Länder haben sicherlich auch den Vorteil, nicht auf Verwaltungs- und Technologiealtlasten Rücksicht nehmen zu müssen. Weltweites Best Practice wird adaptiert und in moderner, digitaler Form den Bürgern zur Verfügung gestellt. So übernahm Estland das Grundbuchsystem aus Deutschland, führte es aber direkt Digital ein. So gut wie alle Verwaltungsdienstleistungen sind heute in Estland online verfügbar. Dank digitaler Signatur im Personalausweis, einer intelligenten und redundanten Cloudarchitektur und der Offenheit der Bevölkerung für digitale Dienstleistungen. Natürlich sind auch Erfolge von Smart City Projekten in kleinen Verwaltungsbezirken viel schneller für die Bürger zu erkennen.

Große westliche Metropolen haben oft Schwierigkeiten mit erfolgreichen Smart City Initiativen. Dort dominiert der eindimensionale Versuch, allein über Daten einen Nutzen zu generieren. Der Nutzen kann vielfältig sein - Umweltdaten, Verkehrssteuerung oder Optimierung der öffentlichen Services. Doch der immense finanzielle und organisatorische Aufwand wird oft kritisch von der Bevölkerung gesehen. Vorteile im täglichen Leben sind oft erst nach Jahren zu erkennen.

Übernimmt auf der anderen Seite die Privatwirtschaft die notwendigen Investitionen – sowie die Google Initiativen in New York City oder Toronto – sehen sich diese Unternehmen oft öffentlichen Anfeindungen ausgesetzt. Smart City wird dann oft schnell in der Presse und Bevölkerung mit einem orwellschen Überwachsungsstaat in Verbindung gebracht.

Doch das Gegenteil ist eigentlich der Fall. Smart City richtig umgesetzt fördert die Lebensqualität der Bewohner, ermöglicht schnelleren und besseren öffentlichen Service und bietet der Wirtschaft effizienter und ökologischer zu agieren.

Es ist also Hoffnung für große europäische Länder wie Deutschland. Die Vorteile liegen auf der Hand und man kann von den smarten Kleinstaaten wie Estland & Co lernen.

 

Smart City und Digital out of Home (DooH) - welche Rolle hat digitale Außenwerbung in Smart City Konzepten?

  • Online-Angebote, Smartphone Apps, Displays und andere digitale Touchpoints im öffentlichen Raum liefern den nötigen Rückkanal.
  • Portalfunktion: Smart City Ökosysteme haben in der Vergangenheit zu wenig mit den Nutzern – den Bürgern – kommuniziert. Screens an Haltestellen und anderen Plakatflächen sind ideale, hochfrequentierte Touchpoints. 
  • DooH-Netze bieten eine bereits von der Privatwirtschaft (Out of Home) installierte digitale always-on Infrastruktur um Umweltdaten zu sammeln, Bürger mit Internet und Mobilfunk zu versorgen (WiFi, Small Cells) oder Verkehrsströme zu lenken.
  • Katastrophenschutz: Schon heute sind DooH-Netze in Katastrophenschutz-Warnsysteme integriert um Bürger überall und zu jeder Zeit im öffentlichen Raum zu warnen (Katwarn) und zu informieren
  • Screens liefern Sicherheit: Beleuchtete Werbeträger und dynamische Inhalte auf Displays im öffentlichen Raum steigern das subjektive Sicherheitsgefühl.

 

Ein Kommentar von Florian Rotberg, GF und Inhaber von Invidis.

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