27. Februar 2020

Throwback zu "Picture of the Future" Teil 2: Mobilität

PD Dr. habil. Andreas Rauscher beantwortete uns im Nachgang zum Event "Picture of the Future" einige Fragen zum Thema Mobilität der Zukunft.

Bei Star Trek wurde in den Sechziger Jahren das Beamen erfunden, weil die Landeszenen in der Produktion zu teuer gewesen wären. Welche waren weitere große Ideen, die vielleicht auch einen pragmatischen Hintergrund hatten, aber neue Wege in der Mobilität dargestellt haben?

Insbesondere satirische Ansätze bieten immer wieder anregende Ideen und Gedanken, indem sie die etablierten Formeln der Science-Fiction hinterfragen und auf den Kopf stellen. Unvergesslich etwa Douglas Adams' "Hitchhiker's Guide to the Galaxy"-Romane, die in den frühen 1980er Jahren als BBC-Serie und zu Beginn der 2000er Jahren als Hollywood-Produktion verfilmt wurden. Entsprechend dem Zeitgeist der 1970er Jahre reist man wie in einem Road-Movie per Anhalter durch die Galaxis (und sogar per Zeitreise in das Restaurant am Ende des Universums). Ein regelmäßig aktualisierter alternativer Reiseführer informiert als Äquivalent zum heutigen "Lonely Planet" über alle Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten. Diese intergalaktische Mitfahrzentrale wäre eine Idee, die in der heutigen Science-Fiction einmal aktualisiert werden sollte.        

Wie können solche Visionen uns helfen, Mobilitätskonzepte in der Realität umzusetzen?

Die intergalaktische Mitfahrzentrale als Weiterentwicklung von Douglas Adams' Romanszenarien wird aus technischen Gründen noch weiter auf sich warten lassen. Aber Ideen wie "Car Sharing" finden sich in der klassischen Science-Fiction viel zu selten. Dabei wären diese in Kombination mit selbst fahrenden Transportmitteln doch eine reizvolle und relevante Idee. Dass in den "Blade Runner"-Filmen die Protagonisten immer noch selbst am Steuer der über Los Angeles schwebenden Autos sitzen, hat wohl ästhetische Gründe. Wenn Harrison Ford in den "Star Wars"-Filmen den Millenium Falcon durch Asteroidenfelder steuert, lässt er sich auch als Ermittler Rick Deckard nicht das Steuer aus der Hand nehmen, obwohl das Gefährt sicher problemlos dazu in der Lage wäre selbst zu fliegen. Aber so ganz geht die technische Entwicklung auch nicht an "Star Wars" vorbei, in dem Spin-Off-Film um den jungen Han Solo von 2018 erfahren wir, dass in den Computer des Millenium Falcon die Erinnerungen einer in Sachen Navigation ausgesprochen talentierten künstlichen Intelligenz eingespeist wurden.

Ausgefallene, auch aus einer kulturhistorischen Perspektive spannende Mobilitätskonzepte finden sich in Entwürfen, die auf vergangenen Zukunftsvorstellungen aufbauen. In Matt Groenings Science-Fiction-Satire "Futurama" durchziehen in dem an den Prognosen der 1950er und 1960er Jahre orientierten New New York Rohrsysteme die gesamte Stadt. In diesen können sich die Fußgänger wie auf einem Laufband durch  die Stadt befördern lassen. Auf originelle Weise schlägt Groening den Bogen in die Gegenwart, indem sich die Serie nicht in Retroszenarien verliert, sondern neuere technische Entwicklungen einbezieht. Das Raumschiff der Planet Express-Liefer-Crew verfügt über ein eigenes Bewusstsein, allerdings kann es auch ausgesprochen launisch werden.             

Wenn wir durch die voranschreitenden Technologie des autonomen Fahrens bald nicht mehr selbst steuern müssen, was glaubst Du wie werden wir die dazugewonnen Zeit nutzen?

Das wäre doch eine gute Gelegenheit, um wie auf einer Bahnfahrt mal wieder ein interessantes Buch zu lesen oder einen spannenden Film zu sichten. Arbeitstechnisch kann man sich auch an die Vorbereitungen des nächsten Termins setzen oder den Blick auf die vorbeiziehende Landschaft genießen.  Interessant wird natürlich, ob die Steuereinheiten in der Tradition von 1980er Serien wie "Knight Rider" Anzeichen einer eigenen Persönlichkeit verpasst bekommen. In dem Science-Fiction-Film "Passengers" leistet ein künstlicher Barkeeper einem der Protagonisten, der vorzeitig aus dem Kälteschlaf erwacht ist, Gesellschaft.

Vielleicht kommt es auch noch zu Streitgesprächen zwischen Passagieren und Fahrzeugen, wie sie in "Futurama" angedeutet werden. Die Navigationseinheit des Schiffes hat gerade keine Zeit, um sich um die Belange der Crew zu kümmern, da sich in ihrer Beziehung mit dem Roboter der Crew eine Krise anbahnt.     

Als Alternative zur Mobilität steht das körperlose Reisen mittels z.B. VR-Technologie oder Hologramm-Übertragung. Siehst Du in einer dieser oder in anderen Technologien eine realistische Perspektive für die nähere Zukunft?

Das wäre der immer wieder neu aktualisierte Holodeck-Mythos aus der "Star Trek - Next Generation". Auf dem Holodeck lassen sich nicht nur alle möglichen Szenarien aus der Film-, Literatur- und Kunstgeschichte als Simulationen abrufen, wir können innerhalb von diesen auch nach Lust und Laune frei navigieren. Das stelle ich mir aber eher zur Vorbereitung einer Reise oder als erweiterte Variante eines Videospiels und nicht als Ersatz für das reale Erlebnis reizvoll vor.

Hologramm-Übertragungen, wie sie in den "Star Wars"-Filmen auftauchen, könnte ich mir hingegen sehr gut als etwas avanciertere Variante einer Skype-Konferenz vorstellen. Allerdings sollte man nicht wie der böse Imperator Palpatine oder sein Nachfolger Snoke die Projektion auf überdimensionale Proportionen einstellen, das könnte einen schlechten Eindruck hinterlassen.         

Welches sind Deiner Meinung nach die 3 Science-Fiction Milestones in Bezug auf Mobilität und welche Filme kannst Du uns dazu empfehlen?

Auch wenn die Prognosen nicht so eingetreten sind, wie es 1968 erwartet wurde: Stanley Kubricks "2001 - A Space Odyssey" ist für Zukunftsdesign, das reale Gegebenheiten weiterdenkt, nach wie vor der zentrale Referenzfilm. Shuttleverkehr zwischen Erde und Mond, funktional eingerichtete Raumschiffe und übersensible Bord-Computer, die emotionaler als die unterkühlten Astronauten erscheinen. Als Gegenprogramm dazu entweder Douglas Adams lesen oder John Carpenters phänomenale Kubrick-Kritik "Dark Star" von 1974 anschauen. In der bissigen Science-Fiction-Satire des späteren Horror-Kultregisseurs ("Halloween", "The Thing - Das Ding aus einer anderen Welt") dauert die Kommunikation mit der Erde mehrere Jahre. Die Reisen durch die unendlichen Weiten des Alls, auf denen die Crew wie ein Straßenbauteam Asteroiden, die Routen blockieren, weg sprengen muss, erinnern eher an einen besonders drögen Aushilfsjob als an Abenteuer in unbekannten Galaxien. Einen Milestone, der natürlich nach wie vor als Versuchslabor für gesellschaftliche und technologische Entwicklungen als unverzichtbar gilt, bildet das seit über fünfzig Jahren immer wieder aktualisierte "Star Trek"-Universum. Neben dem Beamen kommen darin alle möglichen Debatten rund um das Thema Mobilität vor, in einer der "Next Generation"-Folgen wird sogar ein intergalaktisches Tempo-Limit eingeführt. Ich bin schon gespannt, ob und in welcher Weise sie die "Fridays for the Future"-Proteste aufgreifen werden.

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