12. November 2019

3 Fragen an Mike Letzgus, Urban Economy Innovation bei Fraunhofer IAO

Im Rahmen des Symposiums "Wir, die Stadt", stellen wir einige Statements über unseren Blog vor und lassen drei Fragen zur Thematik Smart City beantworten.

Mike Letzgus ist Diplom-Ingenieur und in der Abteilung Urban Economy Innovation der Fraunhofer-Gesellschaft tätig. Das Team Urban Economy Innovation entwickelt neue Bewertungsmethoden und Werkzeuge zur Integration ökonomischer Aspekte in infrastrukturelle und urbane bzw. regionale Transformationsprozesse.

Wann ist eine Stadt für Sie „smart“?

Smartphone – Smart Toaster – Smart City – Smart Citizen? Der Begriff der Smart City war Anfang der 2000 gleichbedeutend mit einer nachhaltigen, zukunftsorientierten Stadt. Die Idee der Smart City beruht auf dem Versprechen effizienteren Ressourceneinsatz, optimierte Infrastrukturen, höhere Lebensqualität und mehr soziale Teilhabe und Integration in städtischen Räumen in Einklang zu bringen. Im Zuge der Wirtschaftskrise 2007 wird die Smart City – die vernetzte Stadt - von IT Konzernen als neues Globales Gesichtsfeld verstanden, die in der Bewirtschaftung der Stadt die Vernetzung von persönlichen Verbrauchsdaten der kommunalen Infrastruktur von der Grundversorgung bis hin zu Verkehrssystemen propagieren. Hier wird allerdings von einer potentiellen Ressourcen- und Energieeinsparung auf eine absolute Einsparung durch Anwendung der bereitgestellten Daten geschlossen. Der Schlüssel zur Einsparung von Ressourcen und Energie liegt allerdings im Verhalten der Stadtbewohner. Eine erfolgreiche Smart-City Konzeption kann daher nur unter Einbeziehung der Stadtbevölkerung und der Stadtforschung erreicht werden. Denn ohne Smart Citizen wird die Smart City wieder zur Utopie.

Welche Faktoren sind für eine wirksame Bürgerbeteiligung entscheidend?

Im Rahmen eines drei-jährigen Forschungsprojekts zum Thema digitale Werkzeuge in der Bürgerbeteiligung (Reallabor Stadt:Qurtiere 4.0) haben sich für uns folgende Faktoren als entscheiden herausgestellt:

Digitale Informationskanäle, einfache Sprache und anschauliche Darstellungen (z. B. durch 3D-Visualisierungen und Simulationen) helfen dabei, zusätzliche Gruppen (z. B. Jugendliche, beteiligungsferne Schichten) zu aktivieren.

Digitale Beteiligungstools tragen dazu bei, strukturelle Hürden für eine Beteiligung zu überwinden (Unabhängigkeit von festen Veranstaltungszeiten durch Online-Tools, Vielfalt der Kommunikationsmittel).

Digitale Werkzeuge können – wie analoge Methoden auch – auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnitten werden.  Vor jedem Projekt sollte geprüft werden, welche Bevölkerungsgruppen betroffen sind, um entsprechende Formate für diese Gruppen (z. B. Kinder und Jugendliche) von vornherein einzuplanen.

Welche Fehler sollte bei der Etablierung tunlichst vermieden werden?

Um einseitige Beteiligung zu vermeiden, sollte z. B. durch persönliche Einladungen an zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger eine möglichst breite Palette an Meinungen und Ansichten gewonnen werden.

Umfang und Reichweite von Partizipationsprozessen werden nicht immer transparent dargestellt. Es sollte klar und deutlich kommuniziert werden, was wann von wem entschieden wird bzw. wie die Ergebnisse in den weiteren kommunalen Planungsprozess einfließen.

Die Vermittlung der Beteiligungsergebnisse geschieht oft sehr verzögert. Teilnehmende sowie die Öffentlichkeit sollten kontinuierlich über die Einbindung der Ergebnisse in den Planungsprozess und die Umsetzung informiert werden.

Zukunftsferne Vorhaben der Stadtplanung werden von Partizipanten weniger wahrgenommen. Es werden Naherwartungen geweckt, die dann nicht erfüllt werden (können). Deshalb sind vor allem kleinräumige Projekte und zeitnahe Beteiligungen empfehlenswert, da hier tendenziell eher Erfolge zu erwarten sind.

Um zu verhindern, dass Teilnehmende eines Beteiligungsverfahrens abspringen, wird empfohlen, die Verfahren zeitlich straff zu organisieren. Die Partizipationsergebnisse sollten möglichst zeitnah umgesetzt werden.

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