25. Oktober 2019

3 Fragen an Alanus von Radecki, Teamleiter Urban Governance Innovation von Morgenstadt

Im Rahmen des Symposiums "Wir, die Stadt", stellen wir einige Referenten über unseren Blog vor und lassen sie im Vorfeld drei Fragen zur Thematik Smart City beantworten.

Alanus von Radecki, Teamleiter Urban Governance Innovation von Morgenstadt, dem Netzwerk für nachhaltige Stadtentwicklung der Fraunhofer-Gesellschaft. Er kommt in Europa und der ganzen Welt herum und für ihn ist Partizipation der Schlüssel für Nachhaltigkeit. Doch wie findet Partizipation im Ausland statt? Und was können wir lernen?

Wann ist eine Stadt für Sie „smart“?

Eine Stadt ist dann smart, wenn Sie in der Lage ist, die Lebensqualität für ihre Bürger zu steigern und gleichzeitig ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern. Hierfür ist in der Regel der Einsatz digitaler Technologien nötig – unter anderem, da Menschen hiermit Ressourcen besser teilen und Dienste einfacher in Anspruch nehmen können. Eine smarte Stadt versteht, wie sich die Welt um sie herum und die eigenen Bürger wandeln und ist in der Lage hierauf proaktiv einzugehen. Gleichzeitig ist eine smarte Stadt viel mehr als nur digitale Technik. Es ist eine Haltung, kontinuierlich auf Verbesserung und Innovation zu setzen.

Welche Faktoren sind für eine wirksame Bürgerbeteiligung entscheidend?

Die meisten Bürger sind heute ganz woanders unterwegs, als die Stadtverwaltung. Sie werden z.B. über Social Media Kanäle und Apps erreicht.
Die Faktoren für eine wirksame Bürgerbeteiligung heißen somit, „seamless integration“, gute Informationsaufbereitung, direktes Feedback, Multichannel, 24/7 und „convenience“. Anstatt langwierige, teure analoge Beteiligungsverfahren zu organisieren, sollten Städte eher über digitale Dienste nachdenken, mit denen sie das Leben der Bürger erleichtern – und diese dann zu echten Kommunikations- und Beteiligungswerkzeugen ausbauen.

Welche Fehler sollte bei der Etablierung tunlichst vermieden werden?

Zum Einen darf die demokratische Entscheidungsfindung nicht durch digitale Werkzeuge verzerrt werden. Die auf Repräsentation basierenden kommunalen Entscheidungsprozesse müssen berücksichtigt, und – im Idealfall – in die digitale Welt überführt werden. Zum anderen trägt digitale Beteiligung durch direktes Feedback: nur wenn Anregungen aufgenommen werden und sich die Stadt mit dem Anliegen der Bürger auseinandersetzt, entsteht auch „agency“ und das Gefühl, gehört zu werden. Diese beiden Aspekte stehen in einem natürlichen Spannungsfeld zueinander und müssen in jeder Stadt individuell ausgehandelt werden.

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