27. Januar 2020

"What are you adding?" - Learnings von der DLD

Zum 16. Mal brachte die DLD die einflussreichsten digitalen Giganten in München zusammen. Wir haben mit drei unserer Entscheider, die bei der #DLD20 zu Gast waren, gesprochen.

 

1) Welches Haupt-Learning hast du von der DLD mitgenommen?

Christian von den Brincken: Die Eliten kuratieren die Probleme, tun sich aber schwer damit zu erkennen, wo konkret man als nächstes anpackt, vielleicht auch weil es noch nie so viele Möglichkeiten gibt. Die Big Four geraten eher immer mehr in die Defensive und müssen ihr Tun verteidigen.

Christopher Kaiser: Die Digitalisierung dringt, über den Bereich Kommunikation hinaus, mittlerweile in nahezu alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche ein. Daten nehmen dabei einen immer zentraleren Stellenwert ein. Wettbewerbsvorteile gewinnt dabei vor allem derjenige, der nicht nur über möglichst viele „Sensoren“, möglichst viele Daten, aus möglichst vielen unterschiedlichen, relevanten Einflussbereichen sammelt, sondern diese auch mittels Modellierungen und Algorithmen, Artificial Intelligence und Machine Learning sinnvoll für sich nutzbar machen kann. Die Anzahl, aber auch die Qualität relevanter Daten nimmt dabei exponentiell zu. Das bedingt zum einen immer hochwertigere Hardware, zum anderen aber auch einen immer sensibleren Umgang mit den Daten. Themen wie z.B. Quantum- oder DNA-Computing, oder Themen Daten-Sicherheit und -Ethik, gewinnen damit zukünftig immer mehr an Relevanz. Deutschland und auch Europa liegen hier insgesamt, im internationalen Vergleich, bei vielen Themen noch hinter den USA und China zurück. Um hier nicht den Anschluss zu verlieren, braucht es hier zu Lande schnell eine klare digitale Vision und Agenda. Neben Investitionen für Infrastruktur und Bildung, gilt es dabei vor allem Innovation viel stärker zu fördern und diese nicht zu überregulieren.


Fabian Kietzmann: Es waren 2 Haupt-Learnings: Es ging vermehrt um Werte und um Geopolitik. Der Titel war mit „What are you adding“ sehr stark auf das Thema Nachhaltigkeit ausgelegt. Werte und Haltung hatten einen wesentlich stärkeren Einfluss in diesem Jahr als Technologie allein. Die 17 Ziele der UN für Nachhaltigkeit waren daher ein kontinuierlicher Begleiter nahezu jeder Session. Ein zweiter Aspekt war die Rolle Europas im Spannungsfeld USA und China und welche Rolle Europa im Rahmen der zunehmenden Digitalisierung einnehmen kann.

 

2) Welche Themen werden uns vor allem in den nächsten 5 Jahren beschäftigen?

CvB: Die großen Themen scheinen mir vier zu sein:1. Internet der Dinge und Dienste; weil es dadurch unendlich mehr Daten und Möglichkeiten geben wird.2. Governance; also die Frage wie die Nutzung von Daten geregelt wird, ob über Technologie (Blockchain et al.) oder staatliche Regulierung oder Konsensus in der Gesellschaft. Die Effizienz demokratischer Systeme wird wieder mehr hinterfragt werden.3. Datenanalyse; Immer mehr Daten wollen smart ausgewertet werden, ob durch maschinelles Lernen oder was auch immer.4. Purpose; es wird in immer mehr Unternehmen, Institutionen und Vereinigungen nach einem Sinn jenseits ökonomischer Effizienz gefragt und gesucht.

CK: Wie bereits gesagt, z.B. Hardware bezogene Themen wie Quantum- oder DNA-Computing, die es möglich machen Daten noch effektiver und effizienter zu verarbeiten und speichern, sowie Themen wie Daten-Sicherheit und -Ethik, die neue Regeln für einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit Daten in den zunehmend digitalisierten Lebens- und Arbeitsbereichen schaffen.

FK: Nachhaltigkeit, Nutzer- und Inhalte-Identifikation, Einfluss von chinesischen Companies und Businessmodellen, Vertrauen in Unternehmen und Staaten.

 

3) Welche Begegnung hat dich am meisten fasziniert?

CvB: Ich habe am Montag der Brandrede, eigentlich der Predigt, von Roger McNamee folgen dürfen. Er ist ein Investor aus dem Silicon Valley, der sozusagen die ersten Jahre von Facebook massiv mitbegleitet hat und heute noch viele der Großen im Valley berät. Er hat sehr leidenschaftlich klar gemacht, dass Unternehmen die Gutes im Sinn hatten, dazu verleitet worden sind, dass ihre Daten missbraucht werden und dass sie heute uneinsichtig sind, das nicht mehr zuzulassen. In der europäischen Achtung personenbezogener Daten sieht er eine große Chance sozusagen als Gegenpol zu den Plattformen. Das war beeindruckend, alle Zuschauer sind aufgestanden und haben applaudiert. Ein sehr emotionaler Moment, selbst Yossi Vardi sind keine Witze mehr eingefallen.

CK: Definitiv die Begegnung mit dem Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus. Bei allem Hype um die Digitalisierung und dem damit verbundenen wirtschaftlich nachvollziehbaren Streben nach weiterer Optimierung und noch höheren Gewinnen, hat er auf unnachahmliche Art und Weise klar gemacht hat, wie wichtig es dennoch ist, die soziale und umweltbezogene Verantwortung nicht aus dem Augen zu verlieren. Ein sehr empfehlenswerter Vortrag, den man sich im YouTube Kanal der DLD anschauen kann und bei dem es am Ende vor allem um das Hauptthema und die Kernfrage der diesjährigen DLD ging: What are you adding (for a better world)?

FK: Austausch mit Tarek Müller, About You. Unheimlich smart, klar und mit spannenden Ansätzen über Organisation und Führung (#Move).

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