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Interview der aktuellen Reihe mit Top-Kreativen der Republik. Diesmal: Oliver Voss (Geschäftsführer Kreation / Jung von Matt).

1) Der Köder muß dem Fisch schmecken nicht dem Angler. Wem schmecken die Kreationen von Jung von Matt?

Wir können beides: große Kampagnen, die Deutschland bewegen, wie „ebay“ und "Du bist Deutschland". Und kleine, feine Sachen, die nur für eine bestimmt Zielgruppe sind: wie beyerdynamics Kopfhörer oder MINI, für Menschen, die kleine Autos lieben.

2) Was wären Sie geworden, wenn nicht Kreativer – wie sah "Plan B" aus?

Regisseur. Oder Journalist – was ich neben der Arbeit immer wieder erprobe. Zu sehen bei E-Plus (Regie) oder immer mal wieder in der Welt am Sonntag (als Journalist).

3) Was macht Kreativität überhaupt aus?

An einem Tisch (möglichst in einem Café, nicht im Büro) sitzen und über ein Problem nachdenken. So lange, bis man eine intelligente Lösung gefunden hat. (Keinen Alkohol bestellen! Hilft nur scheinbar: am nächsten Tag merkt man, dass man nur Blödsinn aufgeschrieben hat.)

4) Letztendlich sind Sie in der Werbung gelandet. Womit haben Sie Ihre erste Werbemark verdient? Und wofür ausgegeben?

Verdient hieße, dass ich es wirklich verdient hätte. Was nicht der Fall war. Meine ersten Texte waren grauselig. Und verdient habe ich sowenig, dass es nur für Essen und Miete reichte.

5) "Sex sells" sagt die Werbung. "Mann beißt Hund" sagt die PR. "Form follows function" das Marketing. Wie heißt Ihre goldene Regel?

Immer auf die 12.

6) Drei Minuten vor einem wichtigen Pitch und drei Minuten danach. Was machen Sie in diesen Momenten?

Davor: Mich in Stimmung lachen.
Danach: Den Beamer abbauen.

7) Ihr Kontakter sucht Rat: Was ist die Besonderheit von Außenwerbung?

Kürze.

8) Und das Geheimnis einer guten Plakatgestaltung in zwei Sätzen?

Dass die Headline keine zwei Sätze braucht, sondern nur einen.

9) Welches war Ihr bedeutendster Moment (mit) Out-of-Home?

Sex im Park?

10) Welches ist Ihr Lieblingsplakat und warum?

Das nächste, das einer meiner Kreativen macht.

11) Und welches das meistgehasste und warum?

Das meiste, was draußen hängt. Leider.

12) Für wen würden Sie gerne mal eine Kampagne fahren und warum?

Für Waschmittel. Weil ich es mir sehr schwierig vorstelle.

13) Und gute Außenwerbung wäre einmal dringend nötig für...?

Für jedes Produkt, dass viel und viele erreichen will.

14) Was halten Sie generell für wichtiger? (bitte ankreuzen oder markieren)

o Text oder o Bild? Gleich wichtig.

o Idee oder o Ausführung? Gleich wichtig.

o Produkt oder o Logo? Gleich wichtig.

o Testen oder o machen? Tests sind der Horror.

o Geld verdienen oder o Preise gewinnen? Weder noch. Machen! Und lachen. Wie Gepa Hinrichsen immer sagt.

15) Und zum Abschluß: Wer sollte diese Fragen ebenfalls beantworten?

Niklas Frings Rupp. Leiter der Miami Ad School.

 

(copyright: stroeer.de, 2006.08)

Oliver Voss (40)
Geschäftsführer Kreation
Jung von Matt / Hamburg

Der 1966 in Remscheid geborene Oliver Voss begann seine Karriere in der Rheinstadt Köln: Nach dem Abitur arbeitete er dort von 1986-1988 zunächst als Junior Texter bei Rahmel & Partner, dann 1989-1991 als Texter bei der Werbeagentur Robert Pütz.

1992 folgte ein Texter-Aufenthalt bei Deutsch Advertising in New York, 1994 dann die Anstellung als Texter bei Jung von Matt Alster. Nach einem Zwischenspiel bei Wieden & Kennedy kehrte Oliver Voss 1996 zurück zu JvM, zunächst als Geschäftsführer in München, dann ab 2001 als Geschäftsführer Kreation in Hamburg.

Seit 2003 ist Voss mit seinem Kreativ-Kollegen Frings-Rupp parallel bei der Kreativschmiede Miami Ad School als Präsident tätig. Aus der Feder von Jung von Matt stammen so bekannte Kampagnen wie MINI, BMW, Deutsche Post oder jüngst die sehr gut reflektierte Kreation zu „Du bist Deutschland“.

Festgehalten zum Interviewtermin: August 2006